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Die
große mittig hängende Glocke mit dem Ton "C"
wird per Hand über ein Seil angeschlagen, die beiden seitlichen
kleineren Glocken mit den Tönen "E" und "G"
jeweils mit Fußpedalen über ein Gestänge. Bei vollem
Geläut - also bei freischwingenden Glocken wie in Teil 2 und
Teil 4 des Nachtsang-Geläuts - wird die jeweilige Fußpedale
ausgehakt, ansonsten würde das Gestänge durch den Antrieb
zerstört werden. Einmal ist dies bisher geschehen, und nur
Dank der schnellen Hilfe des befreundeten Maschinenbauers Epkenhans
und Brockhaus GmbH konnte die Saison ohne Ausfall fortgesetzt
werden.
Aus diesem Grund gibt es zwischen den einzelnen Teilen des Nachtsang-Geläuts
kurze Umbau-Pausen, und auch der Glöckner benötigt ein
paar Minuten der Ruhe - auch bei starken Minusgraden und schneidendem
Wind im Glockenturm.
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Die
Martin-Luther-Kirche (damals zuerst `Neue Kirche´, dann `Auferstehungskirche´)
wurde 1861 eingeweiht, 1866 wurden drei Glocken im Glockenturm aufgehängt.
Der Glockengießer Lohmeyer in Gütersloh bekam den ehrenvollen
Auftrag, die Glocken für seine Heimatgemeinde zu erstellen.
Eine
mittlere Glocke trug die Inschrift "Ich töne laut mit
schönem Klang und rufe oft zum heilgen Gang. O, daß doch
alle darauf hörten und Gott den Herrn mit Freuden ehrten",
sie wurde von Johannes Friedrich Poggenclas gespendet.
Die Inschrift der kleinen Glocke lautet "Gloria in Excelsis
Deo" und wurde von den Frauen der Gemeinde gestiftet.
Die große Glocke wurde von der Kirchengemeinde selbst bezahlt.
1917 wurde beschlossen, dass die Glocken der Auferstehungskirche
(heute Martin-Luther-Kirche) nicht für den Krieg eingeschmolzen
werden müssten, da sie von musikalischen und historischen Wert
waren. Trotzdem entschieden die patriotischen Gütersloher nur
ein Jahr später, die kleinste Glocke freiwillig abzugeben. Sie wurde
daraufhin zerstört. Allerdings war der Krieg zu Ende, bevor
das Material der Glocke genutzt werden konnte. Deshalb kauften die
Gütersloher die Bronze-Masse der kleinen Glocke zurück,
um daraus eine neue Glocke gießen zu lassen. Jedoch passte
der Ton der neuen Glocke nicht zu den beiden anderen Glocken.
Die neue Glocke wurde darum in der Apostelkirche nur wenige Meter
weiter am Alten Kirchplatz, der Urzelle von Gütersloh, aufgehängt.
Die Martin-Luther-Kirche bekam dafür die `Benedictina´ aus
der Apostelkirche, die vom Ton her zu den beiden anderen Glocken
im Glockenturm passte. Die `Benedictina´ stammt aus den Jahren
1484/85 und wurde ursprünglich für das Stift Bustorf gegossen.
Bei dessen Auflösung 1809 in Folge der Säkularisation
wurde die Glocke von der Gütersloher Gemeinde für die
Apostelkirche erworben.
1942
wurden alle Glocken für die Herstellung von Waffen beschlagnahmt.
Die `Benedictina´ konnte jedoch vor dem Einschmelzen gerettet
werden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war die kleine Glocke bereits
vom Kirchturm herabgelassen worden, aber bevor am nächsten
Tag die Glocke abtransportiert werden konnte, verschwand sie in
der Nacht auf wundersame Weise und wurde erst nach Ende des Krieges
in einem Garten unter vielen Zweigen und Laub "wiederentdeckt".
Der damalige Küster Bermpohl und unbekannte Freunde sollen
diese Rettungstat durchgeführt haben, aber definitiv bestätigt
wurde dies nie ...
Heute
befinden sich im Glockenturm wieder drei Glocken. Zwei neue Glocken
wurden 1947 von Gustav H. Wolf, dem Besitzer der Gütersloher
Firma Drahtwolf, gespendet und von der Glockengießerei A.
Junker in Brilon hergestellt. Noch heute wird mit der `Benedictina´
und den zwei neuen Glocken die lange Tradition des Nachtsang-Geläuts
in Gütersloh fortgesetzt.
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Die
kleine `Benedictina´ wird nach dem Krieg wiedergefunden
und - gemeinsam mit zwei neuen Glocken - in den Glockenturm
der Martin-Luther-Kirche hinaufgezogen. Dort hängt
sie bis heute und ist wichtiger Bestandteil des einzigartigen
Nachtsang-Geläuts in Gütersloh.
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